• 1.12. Revierpfoten
Meine Abschlussprüfung zum Agilityrichter, oder "Was tut man nicht alles für den Hundesport". Erlebnisse während und rund um die Prüfung und natürlich meine Parcours.

Das Vorspiel

Endlich war sie da. Die Einladung zur Richterabschlussprüfung. Direkt nach einem supergelungenen Turnier der Peiner Eulen bekam ich die Info, dass die Prüfung auch auf mit diesem Verein zusammen stattfinden würde. Da konnte ja nichts mehr passieren - denn schliesslich habe ich noch nie ein so gut organisiertes Turnier wie den Eulencup besucht. Angefangen von der selbstgebackenen Eule für den Hund beim Melden über die netten Hinweisschilder, das hübsche Schleifchen für jede Clear Round und den perfekt eingehaltenen Zeitplan bis zur Siegerehrung mit den phantastischen Peiner Eulen als Preisen war alles rundum geglückt.

- Und dann kam der Regen -

Nicht etwas Regen, nein sintflutartige Regenfälle überfluteten den ganzen Bereich rund um das Peiner Eulengebiet, sprich Braunschweig und Umgegend. Eine Woche vor der Prüfung telefonierte ich mit einer Bekannten, bei der ich von Samstag auf Sonntag während der Prüfung übernachten wollte. Ihre knappe Reaktion war: Ruf doch mal an, obs die Wiese überhaupt noch gibt oder ob ihr lieber wettschwimmen solltet. Also schicke ich (mittlerweile völlig panisch) eine Mail an den Organisator des ganzen Hans-Jürgen Rook. Er mailt zurück, dass es zwar regnen würde, zur Prüfung aber bestimmt alles gut würde und Sonne bestellt sei. Wie recht er haben würde konnte keiner von uns zu diesem Zeitpunkt ahnen.

Die Prüfung - Der Tragödie erster Teil

Früh aus den Federn und pünktlich losgefahren bin ich. Und je näher ich Peine kam, desto nebliger wurde es. Kurz vor Peine war die Sicht so schlecht dass ich gedacht habe: "Wie soll ich die Begleithunde bewerten, wenn ich sie nicht mehr sehe während der ersten Kehrtwendung?" Ein bisschen nervös war ich schon, doch als ich dann ins Vereinsheim kam, habe ich mich sofort zuhause gefühlt. Ein nettes "Hallo, schön dass du da bist." von allen und ein freundliches Lächeln von Sabine Propp, die die Prüfung abnehmen würde und schon war meine Nervosität fast verflogen.
Die Begleithundprüfung lief prima und während draussen die Temperaturen stiegen, schälten sich mein Mitleidensgenosse Stephan Schega und ich aus den Klamotten. Bis zum Beginn der Agilityprüfung hatte ich nur noch eine dünne Sommerhose und eine ärmellose Bluse an und begann trotzdem zu schwitzen. Der Aufbau meiner drei Parcours (jeder Anwärter durfte A1, A2 und A3 aufbauen) klappte perfekt. Ich habe nicht ein einziges Gerät auch nur einen Millimeter zur Seite rücken müssen. Naja, wenn schon mal ein frischgebackener deutscher Meister den Parcourschef macht ... Von hier ein liebes Dankeschön an Hans-Jürgen, der den ganzen Tag über alles getan hat um Stephan und mir die Sache so angenehm wie möglich zu machen.
Die Klasse 1 und 2 klappten genau wie ich sie mir vorgestellt hatte. Die Schwierigkeiten traten exakt an den geplanten Stellen auf, und auch die kleinen Tricks, die die Prüferin Sabine für mich einbaute (Die Teilnehmer hatten an diesem Tag keine Prüfung, und deshalb konnte Sabine sie z.b. bitten mal die Wand zu berühren, das Halsband anzulassen oder den Hund in den Slalom zu schubsen) habe ich grösstenteils bemerkt. Zu Beginn der A3 Prüfung war ich mittlerweile nassgeschwitzt und meine Füsse schwollen zusehends an. - Gefühlte Temperatur etwa 45° ...
Während der A3 schwitzte ich noch mehr. Und zwar nicht nur wegen der immer noch steigenden Temperaturen, sondern auch weil überhaupt kein einziger Hund den Parcours bewältigte. Am Anfang dachte ich noch, "naja, das sind noch die A1 und A2 Hunde." Denn jeder durfte die Parcours laufen, die ihm Spass machten. Aber dann kamen die A3 Hunde und auch von denen schaffte es nicht ein einziger den Parcours überhaupt ohne Disqualifikation zu Ende zu bringen. Als alle einmal dran waren hatte es tatsächlich nicht ein einziges Team bewerkstelligt. Da war der Ehrgeiz natürlich geweckt. Hans-Jürgen Rook, der seinen Hund den ganzen Tag an seine Tochter verliehen hatte, fragte ob er den Parcours ausser Konkurrenz nur so zum Spass auch einmal laufen dürfte. Und er kam weiter als alle vor ihm. Doch statt des Tunnels nach Hause wählte Kira die Wand und so musste auch er ausscheiden. Mein Parcours war eine "Mission Impossible"
Oder doch nicht?
Ganz zum Abschluss wollte auch eine Hundeführerin, die ebenfalls ihren Hund tagsüber verliehen hatte einen eigenen Versuch starten. Sie kam bis zum Ende durch! So schwer wollte ich es den Startern eigentlich gar nicht machen. Ich habe den Parcours sogar zu Hause aufgebaut und einige Stellen (natürlich auch den schrägen Sprung nach der Wand zum Steg) ausprobiert. Ich fand ihn angemessen schwer und war total überrascht. Aber man muss den Startern zu Gute halten, dass sie bei der wahnsinnigen Hitze schon den dritten Lauf absolvierten und einige sogar vorher noch eine Begleithundprüfung hinter sich hatten.
Für die neugierigen Leser sind meine Prüfungsparcours unten abgebildet. Wer Spass hat möge sich am Parcours "Mission Impossible" gerne austoben :)
Nach mir war auch Stephan mit seinen drei Parcours dran und ich zog mich in den Schatten zurück. Als ich die Schuhe auszog stellte ich fest, dass mein kleiner Zeh bereits eine riesige Blase geworfen hatte. Nun ja. Während ich also gemütlich im Schatten mit einer Riesenapfelschorle sass, sagte ein Teilnehmer nach dem Anderen zu mir "Du hast einen Sonnenbrand auf der Schulter". Ich wunderte mich, weil ich fast gar nicht bemerkt hatte, dass meine Schulter etwas kribbelte und trabte zum Auto um mich (viel zu spät) einzucremen. Als ich die Creme auftrug konnte man es fast zischen hören. Die Haut war tatsächlich krebsrot und brannte beim Einreiben höllisch.

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Die Prüfung - Der Tragödie zweiter Teil

Am nächsten Morgen, unter der Dusche stellte ich fest, dass die Haut begann kleine Blasen zu werfen. Naja, dachte ich - So schlimm wirds schon nicht werden. Während der theoretischen Prüfung sassen wir ja im gemütlichen schattigen Vereinsheim und zwei Stunden nach Beginn des ganzen schüttelte Sabine uns beiden die Hände und gratulierte den zwei neuen Agilityrichtern. Sie besprach ausführlich jeden Prüfungsteil mit uns und gab nette Tips was wir noch verbessern konnten. Sogar Prädikate wurden vergeben und besprochen. (Aus dem "vorzüglich" in der BH, dem "sehr gut" im Agility und dem "gut" in der Theorie ergab sich für mich ein Gesamt "sehr gut") Überglücklich tranken wir noch gemütlich zusammen eine eiskalte Apfelschorle und machten uns dann auf den Weg heim.

Das Nachspiel

Abends versuchte ich meine Schulter mit kühlen Tüchern etwas zu entspannen, danach konnte ich die Haut in Streifen abziehen. Ebenfalls war die Blase am Zeh aufgegangen und dieser brannte nun mit der Schulter um die Wette. Die Bluse die ich angehabt hatte, war etwas offen gewesen. Ein krebsrotes Dreieck prangte nun in meinem Ausschnitt und irgendwie war es trotzdem ein voller Erfolg. Bei einem Meeting am Montag im Büro konnte ich über die Neckerei eines Kollegen "Nettes Branding hast du da" nur grinsen und sagen "Dankeschön!"
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