| Geschwindigkeit ist keine Hexerei |
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| 01.05.2001 | ||||||
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Hier könnt ihr lesen, wie man etwas für das Tempo tut, und wie man durchgeknallte Border-Collies damit total überdreht ;).
Das Tempo ist so eine Sache im Agility. Am Anfang sind immer alle zufrieden mit ihrem Hund. Er lernt neue Geräte, begreift mit jedem Gerät schneller, wird sicherer. Irgendwann kommt das erste Turnier. Der Hund macht flüssig und gleichmässig alle Geräte. Hund und Herrchen sind glücklich. Aber dann kommt der Tag an dem die Geräte nicht mehr das Problem darstellen. Der Hund kann dann bereits den Slalom oder die Kletterwand. Im direkten Vergleich auf Turnieren fällt der Blick des Hundeführers immer mehr auf die Zeit. Die Konkurrenz ist vielleicht immer etwas schneller, oder der Hund ist in die A2 aufgestiegen und kommt mit dem Sprung in den Standardzeitvorgaben nicht zurecht. Jetzt gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einige trainieren ganz normal weiter und hoffen, dass sich das Problem mit der Zeit legen wird. Andere forcieren das Tempo, üben zuhause nur noch Jumpings und versprechen "Wenn das Lauftempo erst stimmt, lösen sich die Ungenauigkeiten, die ich jetzt in Kauf nehme, von selbst auf". Beide Wege sind wenig vielversprechend. Zunächst mal muss man folgendes bedenken. Jeder Hund ist anders. Ein gemütlicher Molossermischling wird sich niemals so bewegen können und wollen, wie das ein leichtgebauter Hütehund kann. Das macht ihn fürs Agility (und als Hund schon überhaupt) nicht weniger wertvoll. Er hat die Qualitäten anderswo. Er wird unter Umständen kontrollierter sein, sich vielleicht leichter führen lassen o.ä. Trotzdem ist das natürlich wenig tröstlich für Leute, die jedesmal enttäuscht vor der Ergebnisliste feststellen, dass ihnen wieder 10 Sekunden fehlen. Solche Hundeführer stehen mit offenem Mund vor dem Parcours, wenn einer der oben schon genannten schnellen Hütehunde durch die Geräte wuselt. Sie seufzen und sagen sachen wie: "Wenn mein Hund doch nur etwas schneller wäre." Oft fällt ihnen gar nicht auf, dass der Hund während seines Durchgangs Verweigerungen kassiert, weil er vor den Sprüngen dreht und dass er Stangen reisst, weil er in dem Tempo immer flacher wird - von Kontaktzonen rede ich erst gar nicht. Wenn ich dann am Ende höre "Was für ein phantastisches Team", frage ich mich immer, ob nur ich die 25 Fehler gesehen habe. Die Besitzer der schnellen Hütehunde sehen das oft anders. Je schneller sich ein Hund bewegt, desto schneller muss man auch reagieren. Fehlt auch nur eine Zehntelsekunde lang die Vorgabe, wo es langgeht, ist der Hund schon übers falsche Gerät. In meiner Übungsstunde hat ein Vereinskollege mal für einen einzigen (nicht besonders komplizierten) Durchgang, mit einem solchen Hund 20 Anläufe gebraucht. Beide waren der Verzweiflung nahe. Der Hund war jedesmal beim Fehler noch nervöser geworden, wollte alles richtig machen, konnte aber beim besten Willen nicht deuten, was der Hundeführer ihm zeigen wollte. Der Hundeführer hat den Lauf immer wieder ohne Hund abgegangen und geübt, und erst nach vielen Durchgängen hat er sich so bewegt, dass dem Hund eindeutig klar war, was verlangt ist. Der Frust gipfelte in der Aussage "Ich kann es nicht. Er ist einfach so schnell, dass ich nicht rechtzeitig rumkomme". Das ist eben die andere Seite der Medaille. Was ich mit den beiden Beispielen sagen will ist: Jeder Hund bringt Probleme mit sich. Und wenn auch nicht jeder Hund zum Weltmeister taugt - Spass können alle am Agility haben. Und man kann an dem natürlichen Grundtempo des Hundes natürlich auch arbeiten. Dazu folgende Übungen. (Hunde die ein Stangenproblem haben, sollten Stangen in der linken Runde so niedrig aufgelegt bekommen, dass sie nicht reissen. Man kann nicht alle Probleme gleichzeitig bearbeiten)
Übung 1: 1-2-3-4-5-6 oder 1-6-5-4-3-2 Übung 2: 1-11-10-9-8-7 Was ist jetzt passiert? Nehmen wir den extrem gemütlichen Berner Sennenhund vom Beispiel oben. Er hat in der rechten Runde gemächlich seine Arbeit verrichtet, und für korrektes Überwinden der Hindernisse eine Bestätigung bekommen. In der linken Runde musste er sich besonders anstrengen, aber da die Reihenfolge ja recht simpel war, war er auch hier sicherlich nicht überfordert. Und der Chaoten-Collie? Er hatte in der ersten Runde sicher weniger Spass. Er wollte schneller, mehr nach vorne und vor allem wollte er nicht gemächlich. Aber es waren nur wenige Geräte und er hat recht schnell eine Belohnung bekommen. In der zweiten Runde durfte er das, was er eigentlich immer will - ungebremst nach vorne rennen. Der Trick ist: Nicht nur Tempo üben - aber auch nicht nur kontrollieren. Der schnelle Hund muss sich mal austoben dürfen. Der Langsame muss mal eine ruhige Kugel schieben können. Darum fahren wir - nachdem der Hund den Unterschied durch mehrfache Wiederholung erkannt hat - mit dem Highlight fort: Übung 3: 1-11-10-9-8-7-1-2-3-4-5-6 Übung 4: Wenn das gut klappt, und der Hund beginnt sich im Tempo anzupassen, habt ihr etwas wahnsinnig wichtiges beim Hund und euch geschult. Ihr könnt das Tempo kontrollieren. Ihr könnt euren gemütlichen Goldie auf geraden Parcoursabschnitten zu etwas Schwung motivieren. Und ihr könnt euren Border Terrier an schwierigen Stellen etwas ruhiger und kontrollierter führen. Achso, im Linktext hatte ich versprochen zu erklären, wie ihr euren Border total überdrehen könnt. Ich hoffe, es ist klar geworden, dass man mit den schnellen schlecht zu kontrollierenden Hunden nicht dauernd den oberen Teil übt. Genausowenig dürft ihr der Einfachheit halber den langsamen Hund die halbe Trainingszeit auf dem Tisch rumlümmeln lassen. Übt, was ihr noch nicht könnt, mit kurzen Unterbrechungen durch Übungen, die gut klappen. Viel Spaß beim Agility Kirsten Aufgerufen: 3183
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